Gemeindepicknick

Gemeindepicknick

6. Mai 2018 Aus Von Patrick Weckerlein

Es war meine Frau die drängelte, sie hätte Fragen, sie braucht Antworten und sie würde gerne zur Kirche oder besser noch in eine Gemeinde gehen, um all die Fragen zu klären die sie hatte. Von einer lieben Bekannten erfuhr ich, dass es recht nah (Balingen-Endingen) eine Gemeinde gäbe die hin und wieder einen etwas anderen Gottesdienst feierten. Mehr so moderner. Gottesdienst… modern… ja genau.

Den Gottesdienst den ich aus meiner Jugend- aus meiner Konfirmandenzeit- noch kannte war, natürlich nur aus meiner Sicht nicht ganz so modern. Für ein ganzes Jahr lang musste ich jeden Sonntag in die Kirche gehen. Ich sollte in der ersten Reihe sitzen, ruhig sein und im besten Fall zuhören. Dies klappte natürlich nur zeitweise oder besser gesagt eher selten. Häufiger gab es sogar einen Rüffel von der Kanzel. In der ersten Reihe sitzen oder stehen ist eigentlich auch nur bei Konzerten oder im Theater ein echtes Highlight, nicht wie in meinem Fall beim wöchentlichen Pflichtbesuch. Jetzt sollte es also wieder so sein, nach rund 30 Jahren sollte ich sonntags wieder in die Kirche gehen. Na gut, einmal wird´s schon gehen.

Wir wussten, dass an diesem Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst auch ein Gemeindepicknick stattfand. So machte sich meine Frau auch gleich daran leckere kleine Schnittchen zu machen, um auch einen kleinen Beitrag beizusteuern. Ehrlich gesagt weiß ich heute nicht mehr viel von dem Gottesdienst. Ja es war moderner, angefangen bei der Musik, einem kleinen Anspiel (eine Art Theaterstück passend zur Predigt) und auch die Menschen die dort waren, sie waren irgendwie anders als erwartet und auch um einiges jünger. Ich weiß, ich weiß, meine Erwartungshaltung war nicht sehr hoch.

Eines sollte tatsächlich noch erwähnt werden: unser erster Tag in Endingen war gleichzeitig der Abschied des Pfarrers. Anmerkung: Sehr, sehr schade wie ich finde.

Viel besser gefiel mir das Gemeindepicknick. Klar waren wir neu und wussten weder wohin mit unseren Schnittchen, noch wo wir sitzen durften. Wir haben uns dann einfach mal Richtung Kinder und Eltern gesetzt. Da wurden wir auch schon angesprochen… „Hallo seid ihr neu bei uns?“ oder auch „Hallo ich bin… wer seid ihr denn?“ Und dies überaus nett und freundlich. Gleich setzten sich auch einige Personen an unseren Tisch, um einfach zu Quatschen und das Eis, das schon angeschmolzen war, vollends zu brechen. Wir fühlten uns in diesem zu diesem Zeitpunkt schon gut angenommen und aufgehoben. Heute kann ich von ganzem Herzen dazu sagen, dass diese Ersten, die uns begrüßten, gute Freunde und Gesprächspartner wurden.

Da es ja ein Picknick war, gab es auch etwas zu Essen. Wir gingen unserer Nase nach und entdeckten einen reich gedeckten Tisch. Dort angekommen sprach mich eine Frau an: „Hey wir kennen uns doch, ich weiß nicht mehr genau woher, aber wir kennen uns!“. Mir kam sie irgendwie auch bekannt vor, wusste aber im ersten Moment nicht wo einordnen. Meine Frau fragte Sie, ob sie einen Hund hätte und über den Hund fiel es uns dann wieder ein: die Pilgerin von August 2016! Wir mussten weite Strecken gehen, um uns bei diesem Picknick wieder zu finden. Da brach ein großes HALLO aus, wir freuten uns sehr, dass wir uns wieder trafen und nach dem Essen haben wir uns auch sehr ausgiebig über die Wanderung, die Hitze, den Weg und auch unseren Weg zum Picknick an diesem Tag unterhalten. Natürlich wollten die anderen am Tisch auch sofort wissen, was denn da los war und woher wir uns kannten. So erzählten wir wie, wo und unter welchen Umständen wir uns kennenlernten.

Wir trafen uns unter einem Kreuz und seit jenem Tag spielt DAS KREUZ eine sehr große Rolle, nein sogar DIE WICHTIGSTE ROLLE in meinem Leben.

Ich möchte auch sagen, die Freundschaft, die an diesem Tag entstand, mit der Pilgerin und der ganzen Familie, möchte ich nicht mehr missen. Einschließlich der Hündin Wickie, von der ich manchmal schon dachte, dass sie mich mit ihren stinkenden Pupsen wieder vertreiben wollte.