Freiheit …

Freiheit …

10. September 2018 Aus Von Patrick Weckerlein

In den letzten Tagen, genauer gesagt seit wir keinen festen Wohnsitz mehr haben, stelle ich mir immer wieder eine Frage: was ist Freiheit?

Und immer, wenn ich denke, ich hätte die Frage für mich beantwortet, kommt sie nach einigen

Stunden wieder und alles dreht sich von vorne um die Freiheit.

Ich möchte jetzt einen oder einige Gedanken teilen, die da in mir sind. Seit dem 25.08.2018, unserem Auszug aus dem Haus, sind wir ja ohne Wohnsitz obwohl wir grundsätzlich noch bis zum 31.08. in dem Haus hätten bleiben dürfen. Doch schon während dem Ausräumen haben wir bemerkt, dass es gar nicht mehr unser Haus ist. So seltsam das auch klingen mag, es fühlte sich nicht mehr wie „unsere“ an. Ja, sogar der Geruch hatte sich verändert. Es hat nicht mehr nach „nach Hause“ kommen gerochen, nein, es hat sogar völlig anders gerochen, ganz so als ob wir noch nie dort gewohnt hätten.

Seit dem 31.08.2018 sind wir nun also komplett ohne Wohnung, jedoch stimmt das nicht so ganz, wir durften in der Übergangsphase zwischen dem 25.08.2018 und dem 31.08.2018 bei ganz lieben Geschwistern wohnen. Ganz lieben Dank dafür. Es fühlte sich vertraut an, weil wir schon hin und wieder dort zu Besuch waren und es fühlte sich gleichzeitig seltsam an, weil wir in einem „fremden“ Haus wohnten.

Wir konnten kommen und gehen wie wir wollten und aufstehen und zu Bett gehen wann wir wollten. Eigen und doch fremd.

Es waren nicht unsere Möbel, nicht unsere Elektrogeräte, nicht unsere Waschmaschine und auch nicht unser traumhafter Balkon. Trotzdem waren wir dort und durften alles genießen. 

Jetzt im September dürfen wir noch einige Tage Urlaub am Bodensee machen. Wieder nicht unsere Möbel, unsere Geräte und auch hier können wir kommen, gehen und schlafen wann wir wollen.

Diese passenden Übergänge wurden nicht von uns erfragt und niemals hätte ich danach gefragt, da wäre ich viel zu „ängstlich“. Diese Übergänge wurden uns geschenkt, geschenkt von Gott nur er kann so passgenau, flüssig und übergreifend arbeiten. Wahrscheinlich ist es für ihn nicht einmal Arbeit, sondern glasklar auf der Hand.

Es läuft für uns echt gut und es fühlt sich nicht so an als ob wir momentan ohne Wohnsitz wären. Jetzt stehen wir eine Woche vor dem Einzug in die Bibelschule und leben und wohnen ohne festen Wohnsitz.

Früher wollte ich immer frei sein und habe mir vorgestellt wie toll das wäre, auf nichts angewiesen zu sein: kein Arbeitgeber, kein Vermieter, kein Amt, keine Agentur (auch keine Agentur für Arbeit). Wir leben gerade ohne all das. Wir arbeiten nicht, werden auch nicht von der Agentur für Arbeit unterstützt, sind aber trotzdem versorgt. Wir haben kein Haus oder Wohnung und leben trotzdem in vier Wänden. Wir haben keine Einnahmen und können uns alles was man zum Leben braucht leisten.

Ist das die Freiheit, nach der ich immer gesucht habe? Jetzt habe ich sie und fühlemich trotzdem nicht frei. Mehr fühle ich mich eingeengt und beinahe schon verpflichtet, doch während ich das schreibe fällt mir auf wem gegenüber ich dennverpflichtet bin. Da ist doch niemand, kein Mensch, dem ich jetzt und hier verpflichtet bin.

Nein, ich bin keinem Menschen verpflichtet, eigentlich wurde ich gerufen in diese Freiheit, die ich immer wollte. Gerufen von Gott, der mir diese Freiheit schenkt und die ich als Mensch gar nicht wirklich akzeptieren und annehmen kann. Weil ich mich als Mensch, als Schwabe, als Patrick, immer in dem Drang sehe verpflichtet zu sein und etwas zurückgeben zu müssen.

Zu meiner Konfirmation wurde von meiner Oma peinlichst genau festgehalten, wer wieviel geschenkt hatte. Um dann eines Tages, wenn diejenigen Kinder hatten, gleichermaßen zurück schenken zu können. So bin ich erzogen.

Das hatte ich damals schon nicht verstanden und tu es heute auch noch nicht.

Heute wird einer meiner nächsten Lernschritte sein: Gutes annehmen.

Annehmen im Glauben und vor/von Gott und annehmen von Menschen.

Es gibt also noch sehr viel zu lernen…

Wir sind sehr dankbar für die kommenden Monate, die Gott mit uns verbringt und ich freue mich besonders auf die Freiheit im Herrn. Die wahrscheinlich noch viel größer ist als wir uns das jemals vorstellen können.