Auftakt zur Bibelschule- ein Kapitel von uns beiden

Auftakt zur Bibelschule- ein Kapitel von uns beiden

17. Juli 2018 Aus Von Angela Weckerlein

Patty schreibt: Da ja nun die Entscheidung für die Bibelschule gefallen war, tat sich ein neues Problem auf:

Was machen wir in der Zeit denn mit unserem Hund Snow?

Also nicht in der Zeit der Kennlerntage, sondern wenn wir genommen werden für 8 Monaten.
Wir dachten das wir doch nicht die einzigen mit Hund sein würden und es bestimmt Möglichkeiten gibt. Wir dachten auch am mögliche Optionen wenn die Schule Hunde nicht gestatten würde… eine Wohnung in Schulnähe zum Beispiel.
 
Doch im Wesentlichen versuchten wir den Gedanken hinten an zu stellen. Klar war nur: ohne Snow gehen wir nirgends hin!
 
Dann war es soweit und die Kennlerntage waren da. Wir packten ein paar Sachen und Snow ging für die Tage zu lieben Geschwistern. So fuhren wir guter Dinge nach Bad Gandersheim. Wir reisten ein Tag vorher an und übernachteten im Hotel um keinen Stress zu haben nach der langen Anreise. Noch am selben Tag fuhren wir ins Glaubenszentrum um einen ersten Eindruck (zumindest von Außen) zu bekommen.

Das war schon beeindruckend. Die Größe und Lage waren wirklich toll.

Am nächsten Tag sollten weitere Eindrücke folgen und so gingen wir zum Sekretariat um den Schlüssel für unser Zimmer abzuholen. Im gleichen Zug fragten wir nach ob Haustiere erlaubt seien. Die Antwort traf uns wie ein Schlag. Haustiere waren weder von Schülern noch von Personalseite erlaubt. Ein Schock der uns überrollte.

Angi schreibt:

Patty hätte am liebsten den Zimmerschlüssel wieder zurückgegeben wie er mir später erzählte und wäre wieder nach Hause gefahren. Und ich rang mit meinen Tränen.

Wir bezogen ein kleines nettes Zimmer mit eigenem Bad wofür wir sehr dankbar waren. Angekündigt war ein Gemeinschaftszimmer und ich malte mir im Vorfeld schon die schlimmsten Szenarien aus. Umso besser war nun dieses eigene kleine Zimmer. Wir kamen in einer Art Schockstarre an, luden unser Gepäck aus dem Auto und waren erstmal irgendwie da. Das ganze traf mich wirklich sehr und es schien als hätte es Patty irgendwie die Sprache verschlagen. Um irgendwie aus unserem Tief zu kommen entschieden wir ein wenig zu laufen. So liefen wir also bei wirklich nass-kalten Schmuddelwetter zu einem nahegelegenen Kloster. Bibelschule ohne unser Baby schien unmöglich. Hatten wir doch den kleinen Scheißer so sehr ins Herz geschlossen.

Für einen Nicht-Hundebesitzer unvorstellbar. Für einen Hundebesitzer purer Herzschmerz. Tag für Tag kümmert man sich um seinen Vierbeiner, leidet mit, wenn er krank oder verletzt ist, läuft Tag für Tag bei jedem Wetter stundenlang Kilometer für Kilometer und erfreut sich an so vielen kleinen Gesten. Man erzieht und wird gleichermaßen erzogen. Man lernt selbst was es heißt wahre Konsequenz an den Tag zu legen und schmilzt auch dann dahin, wenn er zum tausendsten Mal „ultra süß“ auf seinem Platz liegt. Ja… wir Hundebesitzer sind schon eine eigene Spezies. Und eins ist klar: wir lieben unseren Hund Snow.

Offen gesagt kam Wut und Enttäuschung in mir auf. Auf Gott und gleichermaßen auf uns selbst. Wie naiv waren wir diese wichtige Sache nicht im Vorfeld zu klären und sei es nur telefonisch. Wegen jeder kleinen Info griffen wir zum Telefon und erkundigten uns und hier hatten wir es nicht getan. Auf das beste gehofft und abgewartet. Und nun standen wir da. Ich  konnte nicht verstehen, warum Gott das zugelassen hatte. All die Hoffnung die wir hatten schien mit einem Mal verschwunden. Weit weit weg. Ach wie gut ist es doch, dass Gott einfach größer ist als unsere Trübsal. Am Nachmittag fand dann der offizielle Teil statt- beginnend mit einer Begrüßung. Wir kamen an und da waren mehrere Leute. Insgesamt waren wir 12 Kennenlerner. Eine davon lugte nach vorn und mit lauter Verwunderung hörte ich „Was macht ihr denn da?“ Wenn man kaum ein Jahr Christ ist, ist es schon mehr als verwunderlich, wenn da jemand sitzt den man in der eigenen Gemeinde kennengelernt hat. Rund 500 Kilometer entfernt von der Heimat. Diese Momente sind schon toll. „Vermutlich das gleiche wie du“ war meine kurze Antwort. Die Welt ist klein…

An nächsten Morgen sollte sich das Blatt wenden. Wir waren inmitten der Erstklässler, also von rund 100 Schülern umgeben und diese feierten den Herrn auf so wunderbare Weise. Musik wurde laut gespielt, und unserem Gott wurde zugejubelt. Da standen wir nun und der Heilige Geist mitten unter uns. Spürbar. Spürbar, wie sollte es auch anders sein, die Liebe unter den Schülern. Hier und da gab es Umarmungen. Ohne direkten Grund. Einfach weil unser Schöpfer auf uns mit genau dieser Liebe abfärbt. Dieser Liebe bei der wir nicht nach Erklärungen suchen um einander zu umarmen, sondern es einfach tun. Der ganze Morgen verlief so, dass wir uns überraschender Weise vollkommen wohl fühlten. Wir hatten die Tatsache mit dem Haustierverbot nicht vergessen. Aber wir hatten noch am Vortag beschlossen uns dennoch darauf einzulassen. Ganz gleich wie sehr unsere Gefühle uns gerade einen Strich durch die Rechnung machen wollten. Wir wollten uns öffnen. Und das taten wir. In der Zeit dort, mitunter auch am Vorabend, wurden wir über die Geschichte aufgeklärt, hatten einen kleinen Rundgang, bekamen eine eigene Unterrichtseinheit, waren bei der Andacht (Lobpreis), hatten Speisen im riesigen Speisesaal, Gespräche mit anderen, Besichtigung eines Ehepaar-Zimmers und Bereichs, wurden informiert über Regeln und Notwendiges und allmählich begann ich es zu verstehen: dieses Jahr bzw. diese 8 Monate- die waren für mich. Deshalb waren Hunde nicht erlaubt. Deshalb war auch ein „auswärts wohnen“ nicht gestattet. Die Gemeinschaft prägt und fördert. Und dieses erste Jahr soll mir und meiner Beziehung zum Herrn dienen. Jede Ablenkung wird gemieden. Es sollte nichts Persönliches sein oder eine Ablehnung gegen Tiere. Es sollte eine Förderung sein. Die Förderung meiner Selbst. Bevor wir das Mittagessen einnahmen entschieden wir, uns zusammen zu setzten. Besprechen. Sortieren. Durchatmen.

Patty bat direkt um Schreibzeug. Er schrieb kurz etwas nieder und legte es dann beiseite. Und ich (Angi) legte los. Ich erzählte, wie wohl ich mich fühlte. Dass das ganze natürlich im Bezug auf Snow ein Schock war aber ich es zwischenzeitlich verstünde und der Meinung bin, dass hier könnte etwas Großartiges sein. Bibellehre und auch Persönlichkeitslehre. Ich sagte, dass es sicherlich nicht leicht werden würde. Aber wertvoll. Und wichtig. Und ja, ich könnte es mir vorstellen.

„Und du?“

„Ich hab meine Antwort vorher aufgeschrieben.“

„Darf ich es lesen?“

„Klar.“

Ich öffnete das kleine Notizbüchlein und darin stand „Ich könnte direkt hierbleiben.“